Service-Tipps

28.04.2014 14:01 Age: 4 yrs
Category: Servicetipps

Zeit für einen (Reifen)wechsel

Wer auch im Sommer mit Winterreifen fährt, gefährdet sich und andere. Denn bei hohen Temperaturen sorgen die Frost-Spezialisten für weniger Halt und längere Bremswege.


Die ganzjährige Nutzung von Winterreifen ist gefährlich. Hohe Temperaturen im Sommer setzen dem Material ordentlich zu. (Bild: GTÜ)

Winterreifen sind Pflicht, Sommerreifen nicht – manch ein Autofahrer kommt deswegen auf die Idee, auf den Reifenwechsel zu verzichten und ganzjährig mit Winterpneus zu fahren. Schließlich spart das auf den ersten Blick Zeit und Geld, weil Einlagerung, Montage und Auswuchten wegfallen.

Doch es hat einen entscheidenden Haken: Die spezielle Materialzusammensetzung von Winterreifen eignet sich nicht für hohe Temperaturen.

Weniger Grip, längere Bremswege

Um auf Schnee und Eis für den richtigen Halt zu sorgen, werden Winterreifen aus einer besonders weichen Gummimischung mit hohem Kautschukanteil gefertigt. Dadurch ist der Reifen auch auf frostigem Boden noch elastisch genug und ermöglicht eine gute Kraftübertragung. Bei hohen Temperaturen sieht das aber anders aus: Die Profilblöcke werden zu weich und dadurch instabil. Die Folge: Der Grip lässt nach und die Fahreigenschaften verändern sich. Bremsen und Lenken werden plötzlich schwerfällig. Im schlimmsten Fall können Autofahrer die Spur nicht mehr richtig halten. Besonders gefährlich wird es beim Trockenbremsen, wie ein Vergleichstest des Schweizer Ratgebers „auto illustrierte“ und des TÜV SÜD zeigt: Bei hochsommerlichen Temperaturen kam das sommerbereifte Auto aus Tempo 100 schon bei 34,9 Metern zum Stehen, wohingegen das Modell mit Winterreifen erst nach 45,9 Metern still stand. Konkret bedeutet das: Wenn das eine Auto schon steht, braust der winterbereifte Pkw mit immerhin noch Tempo 50 vorbei – genug Geschwindigkeit, um einen schwerwiegenden Unfall zu verursachen.

Kein Kostenvorteil

Wer glaubt, durch den Verzicht auf Sommerreifen ein paar Euro zu sparen, irrt sich. Denn Winterreifen verschleißen bei sommerlichen Temperaturen besonders schnell. Grund ist auch hier wieder die weiche Gummimischung: Die Reibung ist größer, der Pneu verformt sich stärker und erzeugt mehr Wärme, die das Material schneller verschleißt. Außerdem ist der Rollwiderstand bei zu weichen Reifen größer, was den Spritverbrauch in die Höhe treibt.

Sommerreifen am besten von „O“ bis „O“

Deswegen empfiehlt der TÜV SÜD die „O- bis-O-Regel“: Zwischen Ostern und Oktober sollten Autofahrer nur mit Sommerreifen fahren. Nach dem letzten Frost und bevor die Temperaturen wieder anziehen, bieten Sommerreifen optimale Sicherheit, weniger Verschleiß und kürzere Bremswege. Wer sich den Reifenwechsel trotzdem sparen möchte, kann sich Ganzjahresreifen zulegen. Für Vielfahrer oder starke Winterverhältnisse sind sie allerdings nicht geeignet.