Service-Tipps

02.08.2011 11:55 Age: 7 yrs
Category: Servicetipps

Die Schuhfrage

Flip Flops und Co. am Steuer verboten? Wir räumen mit einem Sommermärchen auf


Schuhe über Schühe. Beim Autofahren sind sie alle erlaubt, aber nicht alle geeignet. (Foto: Shutterstock)

Den Stöckelschuh zum Einklappen gibt es bisher nur als Idee. (Foto: Sheila Wheels)

„Lass dich so aber nicht erwischen.“ Das bekommen Barfüßler, Flip-Flopper und Schlappenfans häufig zu hören, sobald sie sich hinters Steuer setzen. Aber was ist eigentlich dran an solchen Warnungen?

Um es gleich vorwegzunehmen – Flip-Flops, Hausschlappen oder Highheels am Steuer sind erlaubt. Selbst wer barfuß fährt, ist, zumindest rechtlich gesehen, sicher unterwegs. Wer daran zweifelt, kann es schwarz auf weiß nachlesen: Laut § 23 Abs. 1 Satz 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO) hat der Fahrer dafür zu sorgen, dass Ladung und Besetzung des Autos verkehrssicher sind. Das bloße Fahren ohne geeignetes Schuhwerk ist demnach nicht verboten. Deshalb sprach das Oberlandesgericht Celle einen Birkenstockträger vom Bußgeld frei, der am Steuer eines Lkw von der Polizei angehalten wurde. Das Oberlandesgericht Bamberg gewährte einem Sockenfuß freie Fahrt, der ebenfalls gegen Bußgeld geklagt hatte.


Viele Autofahrer befürchten, dass die Versicherung nicht zahlt, wenn sie barfuß
oder mit Flip-Flops einen Unfall haben. Jedes Jahr müssen die Versicherer von Mai bis August Dutzende Anfragen zu diesem Thema beantworten. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) macht deshalb in einer offiziellen Stellungnahme klar, dass der Versicherungsschutz nicht abhängig vom Schuhwerk ist: „Die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers zahlt den Schaden des Unfallopfers natürlich immer – egal ob der Verursacher Flip-Flops, Highheels oder Knobelbecher trug. Auch die Vollkaskoversicherung für den Schaden am eigenen Fahrzeug wird ihre Leistung nicht vom Schuhwerk abhängig machen.“

Das große Aber

Erlaubt oder nicht – Fahren ohne geeignetes Schuhwerk kann gefährlich sein.
Wacklige Highheels bieten bei Bremsmanövern keinen sicheren Halt, und Flips-Flops können sich in den Pedalen oder der Fußmatte verhaken. Barfuß fühlen sich manche Autofahrer unsicherer und trauen sich nicht, fest auf die Bremse zu treten. Wenn ein Unfall nachweislich wegen eines solchen Fahrfehlers passiert, kann das bis zu 50 Euro Strafe und drei Punkte in der Verkehrssünderkartei kosten. Bei Personenschäden sind auch strafrechtliche Folgen möglich. Die Automobilclubs raten daher sommers wie winters zu stabilem und geschlossenem Schuhwerk am Steuer. Im Sommer vielleicht lästig, dafür aber sicher. Und seien wir mal ehrlich – ein Paar Stoffschuhe im Auto zu deponieren und auf dem Weg zum Baggersee oder zur Party schnell hineinzuschlüpfen, ist nun wirklich kein Umstand.

Der Stöckelschuh zum Einklappen

Zehn Prozent der britischen Autofahrerinnen geben zu, schon beinahe einen Unfall verursacht zu haben, weil sie mit ihren Schuhen abgerutscht oder hängengeblieben sind. Das fand der britische Autoversicherer für Frauen „Sheila Wheels“ in einer Studie heraus. Deswegen hat Sheila Wheels einen Prototypen eines Stöckelschuhs entworfen, bei dem sich der Absatz per Knopfdruck einklappen lässt. Ob der „Sheila Driving Heel“ praktisch oder überflüssig ist, darüber lässt sich streiten – in die Serienproduktion hat es der Klappschuh bis jetzt jedenfalls nicht geschafft.

Vorschriften für Berufskraftfahrer

Wer privat unterwegs ist, hat beim Schuhwerk freie Wahl. Das gilt aber nicht für
dienstliche Fahrten. Dann schreibt der Gesetzgeber unmissverständlich das Tragen von festem, geschlossenem Schuhwerk vor. Wer also auf einer Dienstfahrt barfuß, in Pantoletten oder ähnlichen Schuhen fährt, verstößt gegen Unfallverhütungsvorschriften und riskiert auch ohne Unfall ein Bußgeld.