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12.04.2016 16:13 Age: 2 yrs
Category: Servicetipps

Blaue Plakette: Fragen und Antworten

Nach Rot, Gelb und Grün könnte nun Blau kommen. Die Pläne der Umweltminister haben Deutschlands Dieselfahrer aufgeschreckt. Worauf müssen sie sich möglicherweise einstellen?


Diesel stoßen viel NOx aus. (Foto © Daimler)

Der Diesel gerät weiter unter Druck. Jetzt könnte eine blaue Umweltplakette für ein faktisches Fahrverbot sorgen - zumindest in lokal eng begrenzten Gebieten. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Worum geht es?

Die Umweltminister von Bund und Ländern haben sich auf die Einführung einer blauen Plakette für Autos mit geringem Schadstoffausstoß verständigt. Ziel ist die Reduzierung der Stickoxidbelastung in den Innenstädten. Kommunen mit besonders schlechter Luft sollen künftig selbst entscheiden können, entsprechende Beschränkungen auszusprechen. Anders als bei den Umweltzonen in ihrer aktuellen Form, die dem Kampf gegen Feinstaub gewidmet sind, soll die blaue Plakette gegen hohe Belastungen mit Stickoxiden (NOx) vorgehen. Die Gase greifen beim Menschen die Schleimhäute und dem Atemapparat an, gelten auch Verantwortlich für Herz- und Kreislauferkrankungen.

Wann soll die Regelung starten?

Das ist noch unklar. Die Umweltministerkonferenz hat die Bundesregierung nun zunächst gebeten, eine neue Kennzeichnung für Autos mit geringem Stickoxidausstoß zu entwickeln. Eine fertige Vorlage auf Basis der bereits existierenden Umweltzonenverordnung könnte noch dieses Jahr fertig werden. Das Bundesumweltministerium drängt, die Regelung auf den Weg zu bringen, weil sie den Kommunen Planungssicherheit für ihre Luftreinhaltepläne geben will. Bis die ersten "blauen Zonen" eingerichtet werden, dürfte es aber noch dauern. Stuttgart beispielsweise will 2019 starten, wenn die Luftqualität sich bis dahin nicht durch andere Maßnahmen verbessert hat. Allerdings will man die blaue Plakette nur einführen, wenn 80 Prozent der zugelassenen Pkw sie auch erhalten würden.

Welche Autofahrer sind nach aktuellem Stand betroffen?

Bislang offenbar nur die Dieselfahrer. Endgültige Pläne gibt es zwar noch nicht. Diskutiert wird aber, die blaue Plakette nur an Diesel auszugeben, die die Anforderung der Ende 2015 eingeführten Euro-6-Norm erfüllen. Rund 13 Millionen Pkw hätten damit laut dem Branchenverband VDA keine Aussicht auf das Freifahrt-Pickerl. Euro-6-Modelle mit Dieselmotor wurden zwar bereits schon Jahre vor der verpflichtenden Einführung verkauft, die letzten Euro-5-Autos konnten aber noch im Sommer vergangenen Jahres erworben werden. Deren Halter wären wohl die größten Verlierer einer neuen Plakettenregelung, weil ihre kaum ein Jahr alten Fahrzeuge plötzlich als veraltet gelten müssten. Besser hätten es wohl die Besitzer von Pkw mit Ottomotor; dort wird aktuell die Abgasnorm Euro 3 als Grenze für Fahrverbote gehandelt. Sie ist seit 2001 verpflichtend - entsprechend wenige Fahrzeuge dürften keine blaue Plakette erhalten.

Was sind die Folgen für Pkw ohne blaue Plakette?

Zunächst einmal drohen Fahrverbote in manchen Innenstädten. Wie viele und welche das sind, ist noch unklar. Geplant ist aber offenbar, die Verbotsbereiche kleiner zu halten als bei den bekannten Umweltzonen, die teils ganze Regionen umfassen. Wer sich nicht an das Fahrverbot hält, dem droht wie bei der Umweltzonenregelung ein Bußgeld von 80 Euro. Punkte in Flensburg gibt es hingegen seit der Reform des Punktekatalogs nicht mehr. Wie streng kontrolliert wird, hängt von der jeweiligen Kommune ab, doch bereits bei der Umweltzonenregelung kritisieren Umweltschützer eine zu geringe Überprüfung. Gravierender als drohende Bußgelder dürfte indes der Wertverlust bei Diesel-Pkw unterhalb von Euro 6 sein.

Kann man durch Nachrüstung eine blaue Plakette erhalten?

Nach aktuellem Stand und wohl auch darüber hinaus: eher nicht. Selbst neuere Diesel der Klassen Euro 4 oder 5 sind nicht mit vertretbarem Aufwand auf Euro-6-Niveau zu hieven. Die Nachrüstung wäre ungleich komplizierter als etwa der nachträgliche Einbau eines Rußpartikelfilters. Die NOx-Abgasreinigung verlangt neben speziellen Katalysatoren auch eine ausgeklügelte Motorsteuerung, die alle Komponenten aufeinander abstimmt. Denkbar hingegen ist laut Umwelt-Bundesamt (UBA) die Nachrüstung von Abgasreinigungssystemen bei Nutzfahrzeugen der Klassen Euro III und IV - auch weil dort der benötigte Bauraum weniger knapp ist als bei Pkw. (sp-x)